Seniorentreffen in Kulmbach

Am 1. November reisten die Senioren aus Plauen traditionsgemäß zum Treffen mit den Seniorengruppen Kulmbach und Hof nach Kulmbach.

Gegen 9.30 Uhr ging die Fahrt in Plauen vor der Kirche mit dem Bus los und man traf pünktlich und wohlbehalten in Kulmbach an der Kirche ein. Dort wurden die Ankömmlinge bereits von den Kulmbacher Senioren erwartet. Nach und nach reisten auch die Senioren aus Hof an. Die Wiedersehensfreude war auf allen Seiten groß!

Bezirksältester Michael Martin begrüßte um 11 Uhr alle Anwesenden und begann die Zusammenkunft mit einem Gebet. Anschließend gab er den weiteren Ablauf des Tages bekannt. Die Seniorenbeauftragten begrüßten alle in einigen kurzen Sätzen und wünschten viel Freude für diesen Tag. Bezirksältester i.R. Friedhelm Blum betonte, dass sich im vergangenen Jahr seit der letzten Begegnung in diesem Kreis viel verändert hat: Einige sind in die Ewigkeit gegangen, andere „neu“ hinzugekommen. „Das Leben der Senioren in dieser gegenwärtigen Zeit mit enormem Werteverlust ist nicht einfach. Wir können und wollen das nicht aufhalten, aber wir können uns heraushalten.“

Nach dem Mittagessen gingen diejenigen der Senioren, die noch recht gut zu Fuß sind, unter Führung von Friedhelm Blum über den gegenüber unserer Kirche liegenden Friedhof der Stadt Kulmbach. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel ließ es sich gut aushalten. Die Senioren besuchten die Gräber von drei Oberbürgermeistern der Stadt Kulmbach. Bei zwei der hohen Stadtväter wusste Friedhelm Blum eine kleine Geschichte zu erzählen:

Oberbürgermeister Hagen *1887 – †1958 (der erste OB von Kulmbach nach dem 2. Weltkrieg): Ich war damals etwa sechs oder sieben Jahre alt, als ich meinen ganzen Mut zusammennahm und am 1. Januar zum damaligen Oberbürgermeister ging, um ihm für das neue Jahr alles Gute zu wünschen. Nachdem ich an der Haustür klingelte, kam das Stadtoberhaupt, noch im Morgenmantel und öffnete mir die Tür. Ich brachte ein kleines Gedicht zum Ausdruck, daraufhin erhielt ich fünf Mark, damals eine Menge Geld. Ich lief nach Hause und ging anschließend mit meinen Eltern zum Gottesdienst. Auf dem Heimweg begegnete uns der Herr Oberbürgermeister mit seiner Frau. Er erkannte mich wieder und fragte, ob ich das Geld der Mutter gegeben hätte. Meine Mutter wusste davon nichts, ich gab zur Antwort: „Die fünf Mark habe ich in den Opferkasten gelegt!“ Nach einer Zeit des Schweigens zückte der Oberbürgermeister seine Geldbörse, gab mir erneut fünf Mark und sagte: „Dieses Geld ist jetzt nur für dich und deine Eltern, denn dem lieben Gott haben wir ja schon seinen Teil gegeben.“ Jahre später haben wir unsere eigene Kirche bekommen. Zur feierlichen Einweihung war auch der Oberbürgermeister zugegen. Er wurde vom Apostel gebeten, einige Grußworte an die Festgemeinde zu richten, was er auch gerne tat. Am Schluss seiner Ausführungen sagte er: „Amen!“ Im darauffolgenden Jahr ist er ganz plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit gezogen.

Oberbürgermeister Dr. Stammberger *1927 – † 2004: Unsere Kirche sollte umfangreich renoviert werden. Während dieser Zeit brauchten wir dringend eine entsprechende Herberge, um unsere Gottesdienste zu erleben. In dieser Größenordnung etwas Passendes zu finden, gestaltete sich schwieriger als erwartet. In meiner Not wandte ich mich an den damaligen Oberbürgermeister unserer Stadt. Dieser Mann war wirklich ein Freund unserer Kirche. Er hatte mehrmals unsere Einladungen zu festlichen Singen angenommen und war selbst ein begnadeter Klavierspieler. Es entwickelte sich eine persönliche Wertschätzung. Bevor wir unser eigenes Kirchgebäude erhielten, fanden die Gottesdienste in der evangelischen Stadtkirche statt. Daran habe ich mich erinnert. Ich klopfte also beim Stadtoberhaupt an, ob es nicht möglich sei, wieder dort die Gottesdienste abhalten zu dürfen. Er forderte mich auf, schriftlich den Antrag zu stellen, er selbst, der eine Stimme im Gremium hat, würde auf jeden Fall dem Gesuch zustimmen.

Mit Beten und mit Bangen sah ich dem Termin der Ausschusssitzung entgegen. Am Tag darauf erhielt ich die Nachricht – das Ersuchen wurde abgelehnt. Der Oberbürgermeister selbst war enttäuscht, ich merkte es an seiner Tonlage. Er versprach aber, weiterhin alles in seiner Macht Stehende für unsere Kirche zu tun. Am Ende des Telefongespräches sagte er noch: „Beten Sie weiter, denn Sie haben doch einen besseren Draht nach oben!“ Nur zwei Tage später rief mich der Herr Oberbürgermeister erneut an und bat mich, unser Gesuch nochmals einzureichen, denn es sei eine völlig neue Situation entstanden. Der Dekan, der im Ausschuss zwei Stimmen hat und diese zwei Stimmen gegen uns verwendete, hatte in der Nacht einen Schlaganfall erlitten und war nun dienstunfähig. Auf dem schnellsten Weg brachte ich erneut schriftlich unser Anliegen dem Oberbürgermeister vor, am gleichen Abend wurde beschlossen, wir können für die Dauer der Renovierung die Stadtkirche benutzen. Beim Unterzeichnen des Mietvertrages sagte unser Fürsprecher, der Herr Oberbürgermeister: „Das hätte unser Dekan auch einfacher haben können!“

Am Grab des Letztgenannten sprach der Bezirksälteste i.R. ein Gebet für alle Heimgegangenen im Hinblick auf den Gottesdienst für die Entschlafenen, der am darauffolgenden Sonntag in allen neuapostolischen Gemeinden gefeiert wurde.

Zurück in der Kirche hatten fleißige Hände das Kaffeetrinken mit selbst gebackenen Kuchen bereits vorbereitet. Vielen Dank an die Helfer im Hintergrund, die für die Verpflegung an diesem Tag gesorgt hatten!

Viel zu schnell ging der weitere Nachmittag mit zum Schmunzeln anregenden Geschichten und Anekdoten, aber auch mit zum Nachdenken anregenden Vorträgen zu Ende. Traditionell gab es am Ende dieses Seniorentreffens ein Foto von allen Teilnehmern des Jahres 2014.

Mit Gebet für Engel- und Reiseschutz auf dem Nachhauseweg und Fürbitte hinsichtlich des Gottesdienstes für Entschlafene am nächsten Tag, verabschiedete Bezirksältester Michael Martin die Senioren. Alle freuen sich schon jetzt auf ein Wiedersehen in Plauen im Jahr 2015!

Text und Fotos: K.Mr.